Chinesische Kräuterkunde: Zwischen Wunschbild und Realität

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Chinesische Kräuterkunde: Zwischen Wunschbild und Realität

Lediglich Ginseng, Ingwer, Ginkgo und Bitterorange aus TCM-Anwendungen werden als Heilpflanzen aktuell auch im deutschen Arzneibuch berücksichtigt. Die gemeinsame Schnittmenge pflanzlicher Arzneidrogen zwischen China und den europäischen Ländern ist jedoch wesentlich größer!

Chinesische Heilpflanzen und Gewürze gelangten schon vor 2000 Jahren über die Handelswege der Seidenstraße bis nach Europa: So kannte die deutsche Klostermedizin des 11. Jahrhunderts (Hildegard von Bingen) schon Galgant, Sternanis, Nelken und Ingwer; die chinesische Dattel wird bereits im 15. Jahrhundert als Arzneimittel in deutschen Apotheken erwähnt. Beide Kulturen nutzen Wildkräuter wie Beifuß, Wermut, Schöllkraut, Huflattich oder Eisenkraut.

Schafgarbe, Braunelle oder Gundermann (in Deutschland noch als Wildgemüse verwendet) können sich sogar in der häuslichen Rasenfläche einfinden. Was weniger bekannt ist: Ginseng aus Nordostchina und Korea fand in der chinesischen Medizin erst seit dem 19. Jahrhundert zu seiner heutigen Beliebtheit.

Das eigentliche Interesse der westlichen Welt an fernöstlicher Medizin (inkl. ihrer Diagnostik und ihrer Pharmakopoe) wurde jedoch erst in den 1970er Jahren geweckt und bewegt sich seitdem in den festen Bahnen unterschiedlich qualifizierter Fachleute. Internet und digitale Distributionswege gefährden aktuell wieder zunehmend die Seriosität chinesischer Heilmittel und zerstören Verständnis und Vertrauen, die in den letzten 40 Jahren mühsam aufgebaut wurden.

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