Wie klingt die größte Musiktradition der Welt?

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Wie klingt die größte Musiktradition der Welt?

Der Musikstil muqam der Uiguren, die heute in der chinesischen Provinz Xinjiang leben, steht zuerst in der Tradition des maqam, die wahrscheinlich größte Musiktradition der Welt, welche von Marokko über Ägypten, der Türkei, den Iran bis zu den Usbeken und als östlichste Ethnie die Uiguren reicht. Allerdings unterscheidet sich der uigurische muqam in vielen Punkten von seinen weiter westlich gelegenen Verwandten und enthält Elemente der mongolischen und chinesischen Musik. Als Nachbarn von Tibet, sowie Sichuan und Yunnan, welche an Burma und Laos anschließen, kann er vielleicht auch als Übergang hin zur Musik Südostasiens angesehen werden. So bezeichnen die Kachin im Norden Burmas ihre Musik auch als maqam, welche eine sehr interessante Mischung aus der Musik der burmesischen Bama, chinesischen Elementen und mongolischen/ uigurischen Melodien und Rhythmen ist.

Die musikethnologischen Feldforschungen, die vom Institut für Systematische Musikwissenschaft in dieser Regionen durchgeführt wurden und werden sind hierbei natürlich sehr aufwendig, auch weil auf der burmesischen Seite noch viele Regionen im Bürgerkrieg leben. Auch sind viele Täler und Berge nur sehr schwer zugänglich. Die Sammlungen von Melodien, Tänzen, aber auch von Musikinstrumenten zeigen jedoch die große Vielfalt der Musiken dieser Regionen. Da gerade in den Berglagen die Grenzen oft nicht klar eingehalten werden, sind für die Musiker und Instrumentenbauer die staatlichen Grenzen keine Hindernisse und es herrscht ein reger Austausch an Ensembles und Künstlern zwischen Burma, Yunnan, den Oasenstädten der Taklamakan-Wüste, in der die Uiguren leben, sowie zur Mongolei.

Viele dieser Musiktraditionen sind nur in Ansätzen bekannt, die wachsende Wirtschaftskraft und die vorsichtige Öffnung Chinas ermöglichen es aber nun, diese Zusammenhänge näher zu beforschen und zu analysieren. Hier sind zwar einige Musikstile am Aussterben begriffen, andere jedoch erblühen in ungeahnter Weise. Hierzu gehört der uigurische sashmuqam, gerade auch wegen seiner Anerkennung als Weltkulturerbe durch die UNESCO 2005. Der muqam wird nun langsamer gespielt, so dass sich oft ein wirkliches Virtuosentum entwickeln konnte. Auch die Öffnung der alten Seidenstraßenroute über Kashgar ins Pamir-Gebirge nach Pakistan, welche China vorantreibt, ist hier ein erheblicher Motor auch für die traditionellen Musikstile.

Hintergrund

Eine der in ganz China bekanntesten Musikerinnen des uigurischen muqam ist Sanubar Tursun. Sie singt Volks- und Kunstlieder und begleitet sich dazu auf der traditionellen Langhalslaute dutar. Sie ist am 25.11.2016 um 19 Uhr im Institut für Systematische Musikwissenschaft, Neue Rabenstr. 13 (gegenüber Dammtor Bahnhof) zu hören, begleitet von dem italienischen Percussionisten Andrea Piccioni. Vor dem Konzert wird in einem kleinen Vortrag in die Musik eingeführt und in einem Workshop dessen wichtigste Elemente vorgestellt. Der Eintritt ist frei.


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